Die VHT Amps Special 6 und Special 6 Ultra eignen sich aufgrund der servicefreundlichen Punkt zu Punkt Verdrahtung hervorragend für Modifikationen.

mod

tbmodp.jpg

Da Special 6 und Special 6 Ultra den gleichen Grundaufbau besitzen, können die hier vorgestellten Modifikationen bei beiden Amps angewandt werden. Die Beschreibung der Mods bezieht sich, falls nicht anders angegeben, auf den Special 6.

 

Folgende Mods sind hier beschrieben:

 

  • Mehr Boost (3 Varianten)
  • Master Volume Regler
  • Änderungen am internen Tonestack (3 Varianten)
  • Regelbarer Tonestack

 

Sicherheitshinweise

Bitte beachtet die Sicherheitshinweise

Achtung: Löten und Bohren am Amp führt zum Verlust der Gewährleistung.

 

Tipps für Arbeiten am Amp Chassis

Im Bereich "Tools" gibt es hilfreiche Hinweise für die Arbeiten am Special 6 (Ultra) Verstärkerchassis (Link).

 

Mod 1 A - Mehr Boost mit Tonestack Bypass Schalter

Ein Bypass Schalter umgeht den internen Tonestack des Special 6. Nach Simulation mit dem "Tone Stack Calculator" sollte diese Maßnahme etwa 18 dB zusätzlich bringen, also etwa 8 dB mehr als der über das Push-Pull-Poti schaltbare Boost.

ts

sp6tsimboost.png

Bild: Simulation des internen festen Tonestacks ohne Boost (rote Linie) und mit Boost (grüne Linie).

 

Der Tonestack-Bypass umgeht den internen Tonestack komplett, die Übertragungsfunktion bei aktiviertem Bypass entspricht deshalb der 0dB Linie im oberen Bild.

Zur Realisierung des Bypass benötigt man einen 2*um Schalter und einen Kondensator.

Schaltung:

mod

sp6byp.png

Bild: Schaltung des Tonestack Bypass

Achtung: Die Schaltung wurde am 15.10.2012 überarbeitet. Der Entkopplungskondensator sitzt jetzt vor dem linken Schalter am Eingang des Bypasses, um die Anodenspannung von V1-A vor dem Schalter zu blocken.
Bei Schaltern mit Metallhebel ist darauf zu achten, dass ein guter Kontakt zum geerdeten Chassis besteht.
Danke an Christoph K. für den Hinweis.

 

mod

sp6sw1.jpg

Bild: Tonestack-Bypass Schalter

 

mod

sp6sw2.jpg

Bild: Tonestack Bypass Schalter eingebaut zwischen Poti und Klinkenbuchse.



Der Bypass-Kondensator (10nF) bildet mit dem hintergelagerten Volume-Poti einen Hochpass. Je kleiner man den Kondensator wählt, um so mehr tiefe Töne werden herausgefiltert. Sinnvolle Werte für eigene Experimente wären beispielsweise 1nF, 2,2nF und 4,7nF.

Hinweis: Beim suchen einer geeigneten Stelle für die Bohrung sollte man bedenken, dass Potis und Klinkenbuchsen im Gehäuse innen breiter sind, als es die Knöpfe und Schrauben auf der Frontplatte vermuten lassen. Vor dem Bohren von Löchern sollte man daher auch nochmal auf der Innenseite checken, ob es passt.



Mod 1 B - Mehr Boost ohne R22

Fast genau so effektiv wie Mod 1 A, aber viel einfacher realisierbar ist eine Boost-Verstärkung durch Entfernen von R22. Der zugeschaltete Boost wirkt ohne den Widerstand viel stärker als im Originalzustand, so dass man den Amp leichter in die Zerrung treibt.

Im Clean-Bereich bewirkt das Entfernen von R22 einen stärkeren Lautstärkesprung bei der Boost-Schaltung. Wer das nicht möchte, sollte sich die nächste Mod ansehen.

Ob diese Mod sinnvoll ist, kann man selbst ausprobieren, indem man von R22 (der sitzt am Volume-Regler, siehe Bild) nur einen Draht ablötet und etwas zur Seite biegt. Falls es nicht gefällt, kann man ihn wieder anlöten.

 

mod

sp6r22.jpg

Für die Lötarbeit sollte man die zusammenhängenden Volume- und Tone-Regler ausbauen, damit man gut herankommt.

mod

sp6pot1.jpg

 

Mod 1 C - Regelbarer Boost

An die Stelle von R22 kann man ein Boost-Poti einbauen. Die Stärke des Boost lässt sich dann mit der Reglerstellung kontrollieren. Der Vorteil dabei ist, dass der Boost auch schwächer als bei der Originalschaltung eingestellt werden kann, was im Clean-Betrieb vorteilhaft sein kann. Sinnvolle Werte für das Poti sind 100K - 1M Ohm Logarithmisch. Der Widerstandswert des Potis bestimmt das Maß der möglichen Verstärkung. Wenn man eher Wert auf eine hohe Verstärkung beim Boost legt, ist 1M Ohm die richtige Wahl.

 

Mod 2 - Master Volume Regler

Ein Master-Volume Poti ermöglicht angezerrte Sounds auch bei Zimmerlautstärke, zumindest bei Gitarren mit hohem Ausgangspegel. Dafür wird der Widerstand R18 gegen ein 250 K Log Poti ersetzt.

Voraussetzung für die einwandfreie Funktion ist eine Gitarre mit genügend hohem Ausgangspegel, um die Vorstufe zu übersteuern (Humbucker oder aktiver PU). Notfalls kann ein Boost-Pedal nachhelfen, den Pegel anzuheben. Diese Verzerrung der Vorstufe bleibt erhalten, während man mit dem Master-Volume die Lautstärke auf das gewünschte Maß herunterregelt.

Schaltung:

mod

sp6mvol.png

Bild: Schaltung des Master-Volume



Das Master-Volume Poti bildet für das eingehende Signal, welches über C14 kommt, einen Spannungsteiler. Die Anschlüsse des Potis sind durchnumeriert und passen zum nächsten Bild, um Missverständnisse beim Nachbau auszuschließen. Falls gerade kein 250K Poti zur Hand ist, kann man auch Potis mit Werten bis zu 1M verwenden, nur logarithmisch sollte es sein.

 

mod

poti.jpg

Bild: Poti mit numerierten Anschlüssen



Es folgen Bilder, welche die Mods Tonestack Bypass und Master-Volume in Kombination als Testaufbau zeigen.

 

mod

sp6mv1.jpg

Bild: Testaufbau mit Kabeln für Master-Volume und Tonestack Bypass.

 

mod

sp6mv2.jpg

Bild: Master-Volume und Tonestack Bypass Schalter - Testaufbau.



Hinweis zum Testaufbau: Röhrenverstärker arbeiten konstruktionsbedingt mit lebensgefährlich hohen Spannungen. Der Testaufbau wurde vor Inbetriebnahme daher zusätzlich in ein isolierendes Gehäuse (Kunststoff, kein Metall!) eingebaut. Beim Aufbau ist darauf zu achten, dass man nicht versehentlich mit Spannungsführenden Leitungen in Berührung kommen kann.


mod

sp6mv3.jpg

Bild: Master-Volume und Tonestack Bypass Schalter - Amp mit Testaufbau.

 

mod

sp6mv4.jpg

Bild: Original Tone Poti (l.) und Volume Push-Pull-Poti (r.).

 

mod

sp6mv5.jpg

Bild: Vergleich Alpha Poti und Special 6 Tone Poti.



Das Tone-Poti des Special 6 sieht dem 24mm Alpha-Poti sehr ähnlich, jedoch hat es eine abgeflachte 6mm Achse, während das Alpha Poti eine runde 6,3mm Achse hat.

Im folgenden Bild sieht man das Ergebnis der ersten Modifikation des Amps. Beide Potis wurden gegen Alpha-Potis ersetzt. Das Poti an der ehemaligen Tone-Position regelt jetzt die Gesamtlautstärke (Master-Volume).

Das Poti an der ehemaligen Volume-Position regelt - wie bisher auch - die Vorstufe (Gain). Anstelle des etwas wackeligen Push-Pull Potis sitzt jetzt ein 24mm Alpha Poti. Das Drehgefühl ist damit viel besser. Der Boost ist jetzt allerdings nur noch mit dem Fußschalter einschaltbar. Mit einem zusätzlichem Kabel an der Klinkenbuchse des Fußschalters ist der Boost ohne eingesteckten Fußschalter deaktiviert.

Die Tonregelung wurde zunächst zugunsten des Master-Volume Potis geopfert, jedoch habe ich das Tone-Poti später wieder eingebaut, da es voll aufgedreht wie ein Bright-Switch wirkt.

 

mod

sp6mv6.jpg

Bild: Special 6 mit Master Volume und Tonestack Bypass ... offen

 

mod

sp6mv7.jpg

Bild: ... und zusammengebaut

 

 

Mod 3 - Änderungen am internen Tonestack

Mehr Höhen

Der intern fest verdrahtete "Höhenregler" (R10+R12) ist relativ weit zugedreht. Die Simulation (Siehe Beitrag Tonestack) zeigt, dass die Widerstände einer Reglerstellung von etwa 25% entsprechen.

 

ts

sp6ts11.png

 

Mod 3A: Durch einfaches vertauschen von R10 und R12 kann man dies ändern, der fest verdrahtete "Höhenregler" ist dann weit aufgedreht.

Mod 3B: Falls dies noch nicht reicht, kann man R10 mit einem Draht überbrücken, damit ist der fest verdrahtete "Höhenregler" maximal aufgedreht.

 

Widerstand Original Mehr Höhen Mod 1 Mehr Höhen Mod 2
R10 180K 27K 0 (Drahtbrücke)
R12 27K 180K 180K

 

 

Weniger Bass

Mod 3C: Der intern fest verdrahtete "Bassregler" (R13) ist relativ weit zugedreht. Durch eine einfache Drahtbrücke, lässt sich der Bassregler auf Null stellen. Die Drahtbrücke wird zu diesem Zweck parallel zu R13 als Überbrückung eingebaut.

 



Mod 4 - Regelbarer Tonestack

Der regelbare Tonestack ist wohl die sinnvollste Modifikation für den Special 6, da sich der Klang vielfältig den eigenen Vorstellungen anpassen lässt. Man erhält ein großes Maß Flexibilität, zur Befestigung der Potis muss man jedoch zusätzliche Löcher in das Gehäuse bohren. Hier ist handwerkliches Geschick gefragt.

Die Schaltung ist einfach unzusetzen, es sind lediglich die Festwiderstände (links) gegen die entsprechenden Potis (rechts) zu tauschen, wie das folgende Schaltbild zeigt.

 

ts

sp6ts11.png

Bild: Die Schaltung des Tonestacks, links mit Festwiderständen, rechts mit Potis.

 

Insgesamt werden drei Potis benötigt. Da die Firma Fender - je nach Amp - unterschiedliche Werte verbaut, hat man die Wahl. Ich habe mich für die Bestückung mit 2x250K Log und 25K Lin entschieden, siehe Spalte "Special 6" in der Tabelle.

 

  Special 6 Blues Junior III 59 Bassman 65 Princeton Reverb 65 Super Reverb 65 Twin Reverb
Treble 250K Log 250K Lin 250K Lin 250K Log 250K Log 250K Log
Bass 250K Log 250K Log 1M Log 250K Log 250K Log 250K Log
Middle 25K Lin 25K Lin 25K Lin 6,8K Fix 10K Lin 10 K Log

 

Hinweis: Die Tabelle enthält lediglich die Werte für die unterschiedlich verbauten Potis. Teilweise unterscheiden sich bei den Fender Tonestacks auch die Werte der Kondensatoren. Der "65 Super Reverb" verwendet für C10 beispielsweise einen 223 anstatt 473.




mod

sp6ts1.jpg

Bild: Fender Tonestack Potis testweise auf Holz geschraubt.

 

mod

sp6ts2.jpg

Bild: Testaufbau

 

mod

sp6ts3.jpg

Bild: Testbetrieb

 

mod

sp6ts4.jpg

Bild: Chassis mit Bohrungen für die Tonestack-Regler, Master-Volume ist schon montiert.



Die Löcher für die Potis sollte man nur mit Tiefenbegrenzung des Bohrers bohren, um dahinter liegende Kabel und Bauteile nicht zu beschädigen (Siehe unter Tools).

 

mod

sp6ts5.jpg

Bild: Blick von innen auf die Bohrungen.

 

mod

sp6ts6.jpg

Bild: Kurz vor dem Einbau der Potis

 

Es ist geschafft

Dies ist der fertig aufgebaute Amp mit allen Modifikationen.

 

mod

tbmod.jpg

Foto: Master-Volume und Tonestack auf der Rückseite.

 

mod

tbmodsw.jpg

Foto: Tonestack Bypass Schalter (Turbo Boost)

 

tonebuster

tb_logo_text.png





Tonebuster

 

Translate


TB-Suche

Besucher

Heute 13

Gestern 11

Insgesamt 50874